DAS BEGEHREN, ANDERS ZU SEIN UND DAS ENDE DER DDR
Eine Veranstaltungsreihe des AK Einstürzende Mauern und des Bildungswerkes der Heinrich-Böll-Stiftung
Veranstaltungsreihe „Das Begehren, anders zu sein und das Ende der DDR"
Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls beleuchten wir Konflikte zwischen politischer / kultureller Dissidenz und autoritär-sozialistischer Staatsmacht bis 1989. Dissidenz verstehen wir als sehr breites Spektrum von Praktiken, die von der Macht beargwöhnt oder unterdrückt wurden. Dissidenz hat sich in der Alltagskultur, in politischen Protestbewegungen (gegen den Einmarsch in Prag) sowie in den Künsten (vom Punk bis zur Bohème) geäußert. Welche Rolle spielte das Begehren, "ohne Angst verschieden sein" (Th. W. Adorno) für den Untergang der DDR?
Das Begehren, anders zu sein und das Ende der DDR - Folge 4
Selbstbestimmte Arbeitsbiographien in der DDR. Vortrag von Dirk Moldt
Arbeit diente in der DDR nicht nur der Integration, sondern auch der sozialen Kontrolle. Immer wieder versuchten Jugendliche, sich dieser Kontrolle zu entziehen und waren dadurch oftmals mit dem „Asozialen-Paragraphen“ konfrontiert. Dirk Moldt hat kürzlich eine Studie abgeschlossen, die ostdeutsche Lebensgeschichten aus den 1950er bis 1980er Jahren untersucht. Sie waren gelebte Versuche, das Arbeitsleben eigenständig und selbst bestimmt zu gestalten.
Dienstag, 9.2.2010, 19.30 h
Mehringhof Versammlungssaal
Gneisenaustr. 2a, 10961 Berlin
„Der Sonnenküsser“ ist ein autobiographisches Buch von Jürgen Landt. Am Tag des Mauerfalls, allein in seiner Hamburger Wohnung, erinnert er sich..
Der Protagonist Peter Sorgenich wächst im Norden der DDR auf. Er will ein Leben in Unabhängigkeit und eckt damit an. Mit 16 Jahren wird er erstmals wegen „Rowdytums“ inhaftiert. Einmal im Kontrollapparat gefangen, gibt es bald kein Entrinnen mehr...
Dienstag, 23.2.2010, 19 h
BAIZ, Christinenstr. 1, 10119 Berlin
„Die Mauer fiel uns auf die Köpfe.“ Deutsche Einheit in den Wahrnehmungen von türkischen MigrantInnen dreier Altersgruppen. Vortrag von Nevim Cil.
Türkische MigrantInnen fühlten sich in den frühen 1990er Jahren oft (insbesondere in Berlin) als die großen Verlierer der deutschen Einheit, auch weil viele ihre Jobs verloren. Nevim Cil berichtet über Wahrnehmungen und Erfahrungen aus der Zeit nach dem Sturz der Mauer sowie den Veränderungen des Deutschlandbildes bei drei Altersgruppen türkischer EinwanderInnen (Pioniergeneration und deren Nachkommen). Sie zeigt, wie der deutsche Einigungsprozess ihre Außenseiterposition befestigt hat und als Zäsur empfunden wurde
Freitag, 12.3.2010, 19.30 h
Kreuzbergmuseum, Adalberstr. 95 A, 10999 Berlin
Politische Arbeit in der DDR und heute. Ein autobiografisches Gespräch mit Reinhard Schult (DDR-Oppositioneller, heute Initiative für ein Berliner Sozialforum).
In der DDR war oppositionelle politische Arbeit vor allem in kirchlichen Räumen möglich. Reinhard Schult hat bereits mit jungen Jahren begonnen, kontinuierlich politisch zu arbeiten. Er gehört zu den Gründern des Neuen Forums. Wir befragen ihn über seine Erfahrungen in Ost und West und entlocken ihm spannende Erzählungen über Kontinuitäten und Brüche in der jüngeren Geschichte der politischen Kultur.
Dienstag, 16.3.2010, 19.30 h
Mehringhof Versammlungssaal
Gneisenaustr. 2a, 10961 Berlin
Parka, Iro, schwarzes Leder. Popmusik und Jugendkulturen in der DDR.
Vortrag von Michael Rauhut (Autor u.a. des Buches „Bye Bye Lübben City“).
Mit viel Bild- und Tonmaterial berichtet Michael Rauhut von einigen Besonderheiten der Jugendsubkulturen in Ostdeutschland, besonders der sog. Tramperszene. Mit Mode, Frisuren und Musik setzte sie Unterschiede „Die Woche gehört dem Staat, das Wochenende der Anarchie“ – für diese Lebensführung wurde sie drangsaliert. Ein Stasi-Oberstleutnant brachte es auf den Punkt: „Dazu kam für uns die emotionale Schranke im Kopf... Was hat das eigentlich mit unserer sauberen, guten Gesellschaft zu tun?“
Dienstag, 23.3.2010, 19.30 h
Archiv der Jugendkulturen e.V.
Fidicinstr. 3, 10965 Berlin
Das Begehren anders zu sein und die „realsozialistische Gouvernementalität“ unter Honecker. Vortrag von Wolfgang Lenk
In seinen Untersuchungen zur „Gouvernementalität“ analysiert Michel Foucault, wie die Macht das Gewimmel des gesellschaftlichen Lebens wahrnimmt und zu steuern versucht. Mit der sog. „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ hat die SED in der Honecker-Periode versucht, Antworten auf die Krisen des Ulbricht-Systems zu geben. Diese Antworten können als Versuche interpretiert werden, den Typus einer „sozialistischen Gouvernementalität“ zu entwickeln, was aber nicht gelang. Der Vortrag zeigt dies exemplarisch an den beiden Feldern der Wirtschaftsplanung und der Kulturpolitik.
Dienstag, 30.3.2010, 19.30 h
Mehringhof, Blauer Salon
Gneisenaustr. 2a, 10961 Berlin
Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls beleuchten wir Konflikte zwischen politischer / kultureller Dissidenz und autoritär-sozialistischer Staatsmacht bis 1989. Dissidenz verstehen wir als sehr breites Spektrum von Praktiken, die von der Macht beargwöhnt oder unterdrückt werden. Dissidenz hat sich in der Alltagskultur, in politischen Protesten (gegen den Einmarsch in Prag) sowie in den Künsten (vom Punk bis zur Bohème) artikuliert. Welche Rolle spielte das Begehren, "ohne Angst verschieden sein" (Th. W. Adorno) für den Untergang der DDR?
Eine Veranstaltungsreihe des Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung
in Kooperation mit:
archiv der jugendkulturen, netzwerk, KreuzbergMuseum
sowie
AG Einstürzende Mauern
Explodierende Plastikwörter
Realisiert mit Mitteln der
Alltag und Repression in der DDR
Eröffnungsvortrag von Anne Seeck
Termin: Di, 01.09.09, 19:30 Uhr
Kreuzbergmuseum
Adalbertstr. 95 A, 10999 Berlin
Der Vortrag setzt sich kritisch mit der Totalitarismustheorie als auch mit der Verharmlosung der DDR auseinander. Die Rede von den „zwei deutschen Diktaturen" empört viele Ostdeutsche, die sich auf die „soziale Sicherheit" in der DDR berufen, aber diese hatte viele repressive Momente: Es gab ein Recht auf Arbeit, aber auch ein Asozialengesetz. Es gab ein Recht auf Wohnen, aber auch eine schwerfällige staatliche Wohnraumlenkung mit dem Modell der Kleinfamilie als Lebensform und einen Verfall der Altbausubstanz. Weder die alleinige Herausstellung der Repression noch des Alltags ist angebracht. Die DDR wird im Rückblick auch in Zeiten sozialer Verunsicherung nicht angenehmer.
Blues-Messen in Ostberlin
Diskussion und anschließend Blues-Messe mit Holys Blues-Band
Mit Dirk Moldt (Autor einer Studie über die Bluesmessen 1979-1986), Rudi Pahnke (Theologe und Organisator), Günther Holwas (Bluesmusiker).
Termin: Fr, 04.09.09, 20:00 Uhr
Jugendwiderstandsmuseum in der Galiläa-Kirche
Rigaer Str. 9-10, 10247 Berlin
Blues-Messen waren ungewöhnliche Gottesdienste mit Bluesmusik, die von 1979-1986 Tausende alternative Jugendliche anzogen. Zur ersten Bluesmesse kamen 250 Jugendliche, später bis zu 9 000 Teilnehmer. Dem Staat waren diese Messen zu politik-kritisch. Er versuchte, über die Kirchenleitung die Organisatoren zu disziplinieren. So hatten die Veranstalter der Bluesmessen nicht nur mit staatlichen Störmanövern, sondern auch mit innerkirchlichen Auseinandersetzungen zu kämpfen.
"Too much future" – Punk in der DDR
Film und Diskussion mit Henryk Gericke (Autor des Films)
Termin: Do, 10.09.09, 19:30 Uhr
Archiv der Jugendkulturen e.V.
Fidicinstr. 3, 10965 Berlin
Punk war ein politisches Phänomen, jeder Punk ein „asoziales Element", das seine Zukunft riskierte. Punks waren „nicht entzückt von den aufgedrängten ‚sozialen Errungenschaften’ und nicht bedingungslos dankbar für einen sicheren Kindergartenplatz, eine sichere Ausbildung, einen sicheren Arbeitsplatz, einen sicheren Frieden, und all das in sicheren Grenzen". Und daher waren sie bald „sicher vor sich selbst – im Jugendwerkhof, im Gefängnis, in der Armee oder durch die Disziplinierung seitens der Stasi" (aus der Ankündigung zum Film). Zuviel Zukunft sollte für sie heißen: keine Zukunft.
Punx not dead – seit 1980 auch in Friedrichshain
Diskussion und anschließend Konzert der Band „Namenlos"
Mit Gerhard Cyrus (ehem. Galiläa-Pfarrer),
Angela Kowalczyk (Punk, Autorin),
Micha Horschig (Punk, Musiker), Moderation: Dirk
Moldt (Historiker).
Termin: Fr, 11.09.09, 20:00 Uhr
Jugendwiderstandsmuseum in der Galiläa-Kirche
Rigaer Str. 9-10, 10247 Berlin
Die Galiläa-Kirche war seit 1978 ein Ort für unangepasste Jugendliche, später auch für Punks. Auf
welche Formen der Ausgrenzung reagierten sie, welche Solidarität erfuhren sie? Was wollten sie?
Nach der Diskussion wird die Band „Namenlos" spielen, deren Mitglieder 1983 wegen eines Auftritts
zu Haftstrafen verurteilt wurden. Sie stellen Stücke aus ihrer neuen Platte „Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit" vor.
Geschichte und Vielfalt der Ausreisebewegung aus der DDR
Vortrag von Bernd Eisenfeld
Termin: Di, 15.09.09, 19:30 Uhr
KreuzbergMuseum
Adalbertstr. 95A, 10999 Berlin
Nach dem Mauerbau gingen 570 000 DDR-Bürger in den Westen, davon 500 000 offiziell Ausgereiste, 38
000 Flüchtlinge und 33 755 freigekaufte Häftlinge. Bei den Fluchtversuchen gab es viele Tote, noch am 8.März 1989 stürzte ein 32jähriger Mann mit seinem Ballon über Westberlin ab. Als immer mehr Ausreiseanträge offiziell genehmigt und auch inhaftierte politische Gefangene freigekauft wurden (seit
1977 erhielt die DDR für den Freikauf 95 847 DM pro Kopf), kam es zu einer Sogwirkung. Was wissen wir über die Unterschiedlichkeit der Ausreisemotive? Bernd Eisenfeld verweigerte den Wehrdienst 1966, war Bausoldat, 1968 zu 2 ½ Jahren Haft verurteilt wg. Solidarisierung mit dem Prager Frühling, Ausreise aus der DDR 1975.
Verstörende Erfahrungen? MigrantInnen und nichtweiße Deutsche
erinnern sich an den Fall der Mauer
Podiumsdiskussion mit Angehörigen verschiedener EinwanderInnen-Communities
Termin: Di, 22.09.09, 20:00 Uhr
Samariter Kirchengemeinde
Samariterplatz, 10247 Berlin
(Riza Baran, Serafim Manhice, Alimamy Sesay, Zefas Macamo, Nuran Yigit, M. Arabi, Murat Sengül u.a.)
Die Jahre 1989/90 waren für viele EinwanderInnen angefüllt mit unbehaglichen Gefühlen, ja mit Ängsten. Das eigene Gedächtnis rief bereits erlebte Diskriminierungen auf und die Zukunft schien bedrohlich. Zur Erinnerung: Bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus im Februar 1989 erhielten die rechtsextremen „Republikaner", die in einem Fernsehspot zu der Melodie „Spiel mir das Lied vom Tod" Bilder von türkischen Kindern zeigten, auf Anhieb 7,5%. Und dann fiel die Mauer unter einem Fahnenmeer. Unsere PodiumsteilnehmerInnen berichten von ihren persönlichen Erfahrungen und Gefühlen, in denen sich das Biografische mit der politischen Geschichte verbindet.
Arbeit und Alltag vietnamesischer VertragsarbeiterInnen
Vortrag von Uta Beth und Podium mit VertragsarbeiterInnen aus Angola, Vietnam und
Mosambik, anschl. Diskussion
Termin: Di, 29.09.09, 19:30 Uhr
Archiv der Jugendkulturen e.V.
Fidicinstr. 3, 10965 Berlin
Anfang 1989 lebten etwa 190 000 AusländerInnen in der DDR. Die meisten von ihnen waren unter dem irreführenden Titel der „Ausbildungshilfe" gekommen, leisteten aber oft Schichtarbeit. So nähten und bügelten Vietnamesinnen, schufteten Mosambikaner in Schlachthöfen und Elektrokohlebetrieben, bauten an der S-Bahn oder fertigten Glühlampen. Ihr Alltag war von mannigfaltigen Restriktionen bestimmt.
Der betriebliche Aufbruch im Herbst 1989 in der DDR
Vorträge von Renate Hürtgen und Bernd Gehrke
Termin: Di, 06.10.09, 19:30 Uhr
Mehringhof Versammlungssaal
Gneisenaustr. 2a, 10961 Berlin
Arbeit hatte in der DDR eine enorme Bedeutung, insbesondere die sozialistischen Arbeitskollektive,
die gleichzeitig integrierend und kontrollierend wirkten. Die Unzufriedenheit staute sich in den Betrieben
an, so war die Produktivität gering, die Technik veraltet, der Materialfluss oft unregelmäßig. Von Oktober 1989 bis zum Frühjahr 1990, in Zeiten des Machtvakuums, verlangten ArbeiterInnen nach wirtschaftlicher Mitbestimmung und initiierten die Gründung unterschiedlichster Vertretungsorgane.
Es wurden Basisgruppen gebildet und Betriebsdirektoren abgewählt. Warum war diese Zeit der
Experimente so schnell vorbei?
Das Begehren, anders zu sein und die staatssozialistische
Gouvernementalität
Vortrag von Wolfgang Lenk
Termin: Di, 08.10.09, 19:30 Uhr
Mehringhof Versammlungssaal
Gneisenaustr. 2a, 10961 Berlin
In seinen Vorlesungen über Gouvernementalität interessiert Michel Foucault, wie die Macht das Gewimmel des gesellschaftlichen Lebens wahrnimmt. Und wie sie sich von verschiedenen Experten beraten lässt, um das Soziale unter Kontrolle zu bekommen. In der DDR waren die Rollen von Partei,
Regierungsapparat, Wissenschaft und Expertentum sehr eng miteinander verzahnt – dementsprechend
stark waren die Abwehrmechanismen gegen eine authentische Außensicht. Mit Foucault’schem Blick
fragen wir nach den „Mikrophysiken der Macht", die als gouvernementale Techniken schließlich versagen
müssen.
Gefördert vom Bildungswerk Berlin der Heinrich- Böll- Stiftung
in Kooperation mit:
Archiv der Jugendkulturen
Kreuzberg-Museum
Netzwerk Selbsthilfe
AG Einstürzende Mauern im Mehringhof
Explodierende Plastikwörter
Samariter Kirchengemeinde
Veranstaltungen des 1. Teils:
Der Traum von der Revolte
Vortrag und Diskussion mit Stefan Wolle
Stefan Wolle weist in seinem letzten Buch detailliert nach, dass es bereits vor 1968 in der DDR eine jugendliche Protestkultur gab, die gegen Gängelei und Konformismus aufbegehrte und empfänglich war für antiautoritäre Ideen. Als dann eine explizit politische Protest-bewegung gegen den Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts nach Prag begann, wurden über 1000 Personen verhaftet und 380 Strafverfahren wegen ‚staatsfeindlicher Hetze‘ eröffnet. Damit war Wesentliches zerbrochen: der Glaube an die Reformierbarkeit des Systems.
Termin: Di, 17.03.2009, 20h
Ort: Kreuzberg Museum, Adalbertstr. 95 A, 10999 Berlin
Stefan Wolle, forscht an der Freien Universität Berlin
Aufbrüche 1968 in West und Ost – sehr verschieden, untergründig
miteinander verbunden?
Podium/Diskussionsveranstaltung mit Ulrich Enzensberger, Ute Kätzel, Stefan Wolle
Da die politische Dynamik der 68er-Proteste in West und Ost offensichtlich sehr unterschiedlich ist, fragen wir danach, was wir über die gegenseitige Wahrnehmung der Bewegungen in West- und Ostdeutschland wissen. Welche Einflüsse es gab und ob Ansätze einer Kommunikation nicht nur über sondern untereinander existierten. Die drei Gäste haben mit ihren Büchern (Der Traum von der Revolte, Die Jahre der Kommune I, Die 68erinnen) wichtige Untersuchungen zum Thema vorgelegt.
Termin: Di, 24.03.2009, 20h
Ort: Kreuzberg Museum, Adalbertstr. 95 A, 10999 Berlin
Zersetzen- Strategien einer Diktatur
Mit Sandra Pingel-Schliemann
Die Unterdrückung von ‚abweichendem Verhalten‘ war eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, dabei wandelte sich die Praxis. Die DDR suchte internationale Anerkennung, Oppositionelle wurden in den 80er Jahren kaum noch kriminalisiert, sondern zersetzt. Formen der Zersetzung waren u.a. die systematische Diskreditierung des persönlichen
Rufs, die Organisierung beruflicher Misserfolge, das Streuen von Zweifeln und Misstrauen.
Termin: Di, 31.03.2009, 20h
Ort: Mehringhof Versammlungssaal, Gneisenaustr. 2A, 10961 Berlin
Facetten der Dissidenz in der DDR
Podiumsdiskussion mit Paul Kaiser (Bohèmeforscher), Dirk Moldt (Aktivist in der kirchl. Offenen Arbeit), Dirk Teschner (telegraph)
Auch in der DDR gab es ‚Gammler‘ (später ‚Blueser‘ genannt) oder Punks. Durch ihr Aussehen, ihr Auftreten und ihre Musik schockierten sie nicht nur die Macht, sondern auch die ‚Normalbürger‘. Langhaarige wurden zum Frisör gezerrt oder zu Zwangsarbeit verurteilt, Bands verboten. Punks wurden in den 80er Jahren ständig zum ‚Abschnittsbevollmächtigten‘
vorgeladen. Nicht nur am Prenzlauer Berg entstand eine künstlerische Bohème.
Termin: Di, 14.04.2009, 20h
Ort: Archiv für Jugendkulturen, Fidicinstr. 3, 10965 Berlin
Aus dem wunderbaren Jahr der Anarchie
Lesung von Texten – mutigen, ungehorsamen und komischen – aus dem Wendejahr 1989/90
Bekannte und weniger bekannte Personen haben im Wendejahr und danach aufgezeichnet, wie Mut, Renitenz, Komik und beharrlicher Eigensinn nicht nur in den Großstädten, sondern auch in der Provinz und auf dem Land dazu beitrugen, die Diktatur zu stürzen.
Termin: Di, 21.4.2009, 20h
Ort: Mehringhof Versammlungssaal, Gneisenaustr. 2A, 10961 Berlin
Das Begehren, anders zu sein und die staatssozialistische Gouvernementalität
In seinen Vorlesungen über Gouvernementalität interessiert Michel Foucault, wie die Macht das Gewimmel des gesellschaftlichen Lebens wahrnimmt. Und wie sie sich von den verschiedensten Experten beraten lässt, um das Soziale unter Kontrolle zu bekommen. In der DDR waren die Rollen von Partei, Regierungsapparat, Wissenschaft und Expertentum sehr eng miteinander verzahnt – dementsprechend stark waren die Abwehrmechanismen
gegen eine authentische Außensicht. Mit Foucault‘schem Blick erkennen wir eine Wucherung von ‚Mikrophysiken der Macht‘, die als Herrschaftstechniken schließlich versagen müssen.
Termin: Di, 05.05.2009, 20h
Ort: Mehringhof Versammlungssaal, Gneisenaustr. 2A, 10961 Berlin
Mit: Wolfgang Lenk, Universität Hannover
Das Bedürfnis autoritär/Autorität zu sein
Unbegriffene Traditionsbestände der politischen und kulturellen Alternativmilieus in Deutschland.
Während die politischen und kulturellen Aufbrüche in der DDR in klaren Fronten mit der Staatsmacht konfrontiert waren, sind sie im Westen selektiv sowohl in die Kulturindustrie wie ins politische System eingeflossen. Wie haben diese Erfahrungen die politischen Mentalitäten beeinflusst? Gibt es heute in Zeiten wachsender Ohnmachtsgefühle
gar eine Renaissance der autoritären Versuchung? Welche Rolle spielt darin das Erinnern an 1989 und an die DDR?
Termin: Di, 12.05. 2009, 20h
Ort: Mehringhof Versammlungssaal, Gneisenaustr. 2A, 10961 Berlin
Mit: Klaus Farin (Archiv für Jugendkulturen), Dieter Rucht (wzb), Renate Hürtgen (Zentrum
für Zeithistorische Forschung Potsdam), Gisela Notz (FES)
Eine Fortsetzung der Reihe ist in Planung.